Reiseperlen · ab 2024

Reiseperlen
ab 2024

Einzelne Destinationen, die für sich stehen — kurze Reisen, tiefe Eindrücke. Kein Marathon, sondern Momente.

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30. September 2024 Montenegro · Balkan Route

Montenegro, der Weg ist das Ziel

Vom Nationalpark Durmitor über die Tara-Schlucht bis zur Adria Küste — zehn unvergessliche Tage auf dem Balkan.

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Los geht's, jetzt schon braungebrannt ob der sommerlichen Wochen in Hamburg — am 05.09.2024 über den Abschnitt (Tschechien, Slowakei, Ungarn, Serbien) der Balkan Route nach Montenegro. Eine weitere neue Erfahrung auf die wir uns freuen, denn diese kennen wir bis dato nur aus Dokumentationen. Der Rückweg soll uns über einen kleinen Teil Bosnien Herzegowinas und den Süden Kroatiens führen. So viel zur groben Planung.

Unser 1ter Stopp ist Königstein in der Sächsischen Schweiz. Bei 32 Grad sitzen wir mit Blick auf den Lilienstein bei tropischen Temperaturen im Garten, bevor wir uns auf Empfehlung zum schönsten Sonnenuntergang der Sächsischen Schweiz aufmachen — zum Gohrisch in Papstdorf mit einer sensationellen Aussicht. Deutschland macht dieses Jahr fett in Sommer und bietet selbst im September noch sommerlaue Nächte. Merci dafür, liebe Heimat.

Bratislava, Slowakei

Eigentlich war für uns Albanien geplant, ein Land, das ich schon seit Jahren besuchen wollte. Als wir dann noch eine großartige Dokumentation über Montenegro sehen, steht unser Reiseziel fest. Aber immer schön langsam, denn der Weg ist unser Ziel. Früh morgens (ja wirklich, um 07:30h) starten wir in Richtung Tschechien. Da wir im Juli schon die wunderschöne Stadt Prag besucht haben, queren wir diese ohne einen Stopp. Unser Augenmerk liegt auf Bratislavas lebhafter Atmosphäre, der Hauptstadt der Slowakei. Wir haben ca. 5 Stunden Fahrzeit zu bewältigen — bei durchgehend 30 Grad.

Sehenswertes in Bratislava Blaue Kirche · Michaelertor (einzig erhaltenes Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung) · Burg Bratislava
Kulinarische Köstlichkeiten kapustové halušky (Sauerkraut Nocken) · Bryndzové Halušky (Brimsen-Piroggen) · herzhafte Knödel mit Schafskäse und Speckwürfeln · Wildbratwurst. Wir probieren ALLES und finden es mega lecker.

Bratislava begrüßt uns am Nachmittag bei sehr warmen Temperaturen. Wir parken direkt an der Donau in einer ruhigen Allee — 2 Minuten fußläufig zur gemütlichen Altstadt. Die Altstadt besteht aus vielen barocken Palais des 18ten Jahrhunderts, die sämtliche Kriege gut überstanden haben. Viele kleine gewundene Gassen führen durch eine lebhafte Altstadt mit bunten Innenhöfen, Kunst, besonderen Restaurants und Märkten. Auffällig: die Gastronomie funktioniert hier wunderbar — es gibt genügend motivierte Mitarbeiter, die ausnehmend fröhlich und zuvorkommend sind. Ein Traum.

Balaton & Budapest, Ungarn

Unsere Reise führt uns durch Ungarn. Wir wollen einen Badetag am Balaton einlegen — an einem Strand mit ausschließlich Einheimischen. Gemütlich chillen, ungarische Imbiss-Spezialitäten genießen und baden. Am späten Nachmittag werden ungarische Tänze aufgeführt und am Abend am See getanzt. Wir spielen Speed-Badminton, anschließend 2 Runden Rummy Cup und schunkeln fröhlich mit.

Wissenswertes: Balaton (Plattensee) Größter See Mittel- und Westeuropas: 595 km² Wasserfläche · 77 km lang · 195 km Uferlänge.

Budapest ist die Hauptstadt von Ungarn und mit ca. 1,7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt an der Donau. Wir parken direkt am Donauufer auf der Pest-Seite — am Wochenende kostenfrei mitten im Centrum. Großartig. 💯 Wir schlendern am Donauufer entlang und lassen die prachtvollen Bauten auf uns wirken: Parlamentsgebäude, Kettenbrücke, Fischerbastei, Burgpalast. Wir verweilen an den Schuhen am Donau-Ufer, einem Mahnmal zur Erinnerung an die Judenpogrome im Zweiten Weltkrieg. Anschließend finden wir das Twentysix — ein urbaner Dschungel mit natürlichen Materialien, eine der hippsten Locations in Budapest!

Nationalpark Durmitor, Montenegro

Gegen 18h machen wir uns auf den Weg zur Grenze Serbiens. Die ersten 3 Stunden Fahrt in Serbien sind so unspektakulär, dass ich aufpassen muss, nicht mit dem Kopf auf das Lenkrad zu fallen. Dann wird es endlich hügelig und bergig — wunderschön, grün und regnerisch. Als wir die Grenze zu Montenegro queren und den Nationalpark Durmitor erreichen, sind wir bei 14 Grad angelangt. Wir suchen uns ein traumhaftes Fleckchen für 2 Nächte im Nationalpark Wald mit Blick auf die Berge, 200 m vom Black Lake entfernt. Wir zahlen 3€ pro Nacht. Es regnet in Strömen und bleibt die ganze Nacht so. Es donnert und blitzt ordentlich — wir liegen gemütlich zusammen gekuschelt im Camper.

Am nächsten Morgen geht es auf den ersten Trail auf ca. 2.000 m Höhe. Die Gegend ist atemberaubend, voll von Nadelwäldern, Seen und wolkenverhangenen Berggipfeln. Wie so häufig begleitet uns ein Hund bis zum Ende des Trails — dann ist er weg, ohne Gruß, tja so ist das mit den Vierbeinern der Natur. 🤷‍♀️ Am nächsten Morgen besuchen wir den Black Lake im Nationalpark — der Himmel reißt auf und lässt den See in einem Türkisblau leuchten. Wir machen eine Wanderung um den See mit Klettereinlage an selbst hängenden Seilen.

Tara-Schlucht

Zur Tara-Schlucht Mit 78 km Länge und bis zu 1.300 m Tiefe gilt sie als längster und tiefster Canyon Europas und einer der größten weltweit. Hier geht alles: Kajaken, Rafting, Klettern und Zip-Line.

Leider spielt das Wetter für derlei Aktivitäten nicht so mit. Über steile Serpentinen, die für 1,5 Autos passen, machen wir uns auf zum Top of the Hill. Lutz schnappt sich sein MTB und braust ca. 800 m die Serpentinen hinab. Von dort geht es über Geröll weiter steil die Hänge hinab — bis die Straße im Nirgendwo endet. Wir halten auf einer Pflaumenbaumwiese. Zu Fuß gehen wir den Rest des Weges runter zum Fluss: eine zerstörte Hängebrücke hängt an den letzten Seilen. Nach einem gemütlichen Kaffee auf der Wiese machen wir uns auf den Rückweg, der sich als äußerst abenteuerlich gestaltet. Souverän arbeitet sich „Großer Bruder" Stück für Stück nach oben. Die Tour fordert ihren Tribut: Muskelkater im Nacken und den Oberarmen.

Piva Lake, Nationalpark Piva

Ziemlich erschöpft geht es nun weiter ins südlich gelegene Pluzine im Piva Nationalpark an den Lake Piva in einer atemberaubenden Gebirgslandschaft. Die 2-stündige Fahrt führt über eine Panoramic Road, deren Ausblick auf die Berge kaum zu toppen ist. Diese Form der Hochlandvegetation kennen wir nur aus Norwegen und Neuseeland — eine Mischung aus Hobbit-, Teletubbies- und Mondlandschaft.

Pünktlich zum Sonnenuntergang kommen wir am Lake Piva an. Hier suchen wir uns einen Platz am Wasser bei einem kleinen Bungalow Park — Dusche, Toilette und Wassernachfüllung für 15€ in cash. Abends sitzen wir lange draußen und genießen den Blick auf den tief im grünen Canyon liegenden, in verschiedenen Blautönen glitzernden Piva-Stausee. Am nächsten Morgen erkundet Lutz mit dem MTB einen Teil der Seeküste (12,5 km², 45 km Uferlänge), während ich eine Hikingtour auf den Viewpoint des Berges Zarisnik auf 1.314 m Höhe unternehme — belohnt mit einer atemberaubenden 360-Grad-Aussicht.

Küste: Skadar See, Bar & Ulcinj

Nach einer weiteren Nacht am Piva Lake geht es weiter Richtung Süden. Mit einer Maximalfläche von rund 550 km² bildet der Skadar-See das größte Süßgewässer der Balkanhalbinsel — in der GEO als unbekanntes Naturjuwel bezeichnet. Wir machen uns zu Fuß auf die Gegend zu erkunden und entdecken eine Burg mit Wahnsinnsblick auf den See, in der sich eine urige Weinkellerei und ein exquisites Restaurant befinden.

Die Adria Küste in Montenegro erstreckt sich über etwa 300 km und ist geprägt von malerischen Buchten, hohen felsigen Bergen und historischen Städten. Wir schlendern über die Promenade von Bar und übernachten an einem überraschend einsam gelegenen Parkplatz direkt am Strand — in der Nebensaison kostenfrei.

Ulcinj, die südlichste Stadt Montenegros kurz vor der albanischen Grenze, ist für ihre langen Sandstrände bekannt und gilt als beliebtes Ziel für Windsurfer und Kiter. Die Altstadt liegt malerisch auf einem Berg in einer alten Festung: traumhafte Ausblicke, gemütliche Bars und Restaurants. Am Surfstrand herrschen extreme Wind- und Wellenbedingungen — wir machen es uns in einer der Strandbars bequem und treffen eine alleinreisende Kiterin aus Hamburg, die direkt aus Serbien durchgefahren ist. Hamburg ist überall. 😁

Buljarica & Sveti Stefan

Montenegro in Zahlen Größte Stadt: ca. 66.000 Einwohner · Gesamtbevölkerung: ca. 634.000 · Fläche: 13.883 km²

Auf der Küstenstrecke finden wir schließlich den Strand Buljarica Plaža — in der Nebensaison menschenleer, mit einem Schotterparkplatz direkt am Strand mit Blick aufs Meer. Wir bleiben direkt mal 3 Nächte. Von hier aus radeln wir bis vor die Stadt Budva zur Insel Sveti Stefan: 1,46 Hektar klein, aus dem 15ten Jahrhundert, in den 60ern zu einem Luxusresort umgebaut. Für die Allgemeinheit nicht zugänglich — Preise zwischen 700€ und 3.000€ pro Nacht. Der Ausblick aus den Bergen auf diese malerische Insel ist echt der Wahnsinn.

Die Stadt Budva ist berühmt für ihre historische Altstadt, ihre Sandstrände, ein lebendiges Nachtleben und gilt als eines der beliebtesten Urlaubsziele. Auch hier haut uns die wunderschöne Altstadt um.

Bucht von Kotor & Dubrovnik

Nach 3 Nächten am Strand steuern wir unser letztes Ziel in Montenegro an — die Bucht von Kotor. Diese gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und bietet auf einer Strecke von 30 km spektakuläre Ausblicke auf hohe Berge, tiefblaues Wasser und charmante kleine Dörfer entlang der fjordähnlichen Bucht. Wir fühlen uns stark an Norwegen und den Geiranger Fjord erinnert. Auch hier begeistert uns der alte Kern der Stadt.

Wir queren die Grenze nach Bosnien-Herzegowina und kommen zum Sonnenuntergang kurz vor Dubrovnik in Südkroatien an. Im Regen machen wir uns auf in die Altstadt — eine Stunde später reißt der Himmel auf, es werden 26 Grad. Drei Kreuze. Dubrovnik hat ihre geschichtlichen Anfänge im 3ten Jahrhundert. Hier bilden Barock, Renaissance und Mittelalter ein sooooo romantisches Ensemble, zum Hinknien.

Insel Peljesac, Kroatien

Nach einem wunderbaren Tag machen wir uns auf den Weg an unser letztes Ziel: die Insel Peljesac (gesprochen: Pelschatz) — die letzte Insel der freilebenden Schakale in Europa und unser Urlaubsziel aus dem letzten Jahr. Wilde ursprüngliche Küste, hohe Berge, 300 Sonnentage im Jahr, wunderschöne steinerne Häuser. Aus egoistischen Gründen möchte ich nicht mehr verraten, denn es ist die Ursprünglichkeit und der nicht so hohe Bekanntheitsgrad, die diese Insel so einzigartig machen — und ich wünsche mir, dass es dort so bleibt. 🎈

Where time stands still and worries wash away with the tide.

Unser Ziel war Montenegro, unsere Bilanz: Atemberaubende Berg- und Seenlandschaften, faszinierende Küstenstreifen, kulturelle und historische Highlights, erstklassige Weine und eine gute handfeste Küche — das kleine Juwel Montenegro auf der Balkanhalbinsel ist unglaublich vielfältig für ein so kleines Land. Perfekt für einen Roadtrip mit dem Camper, denn wenn man möchte, kann man morgens noch in den Bergen wandern und abends schon in der Adria baden. Wer das Land in seiner jetzigen Ursprünglichkeit noch kennenlernen möchte, sollte sich auf den Weg machen. Seit 2022 ist Montenegro im Aufbau — die erschwinglichen Preise und der Hype um Albanien, dessen Transitland Montenegro ist, machen es zu einem sehr attraktiven Urlaubsland.

Gedankenschluss

  • I. Ich habe das 1te Mal weniger Klamotten dabei als Lutz. 😀
  • II. Montenegro — Dieselpreis: 1,33€
  • III. Vorspeise, Main Dish und Dessert für 2 Personen mit Getränken (Wein, Bier, Kaffee): zwischen 25€ und 40€. Cappuccino im Schnitt 1,50€. Undenkbar in Hamburg.
  • IV. Schwarzwasser-Entsorgung ist in Montenegro kaum bekannt — weder auf Campingplätzen noch in Auto Camps ausgewiesen. Hier lohnt sich definitiv die Trenntoilette.
  • V. Maps funktioniert in Montenegro nur bedingt, weil sich baulich so viel verändert, dass Straßen, Orte und Parkplätze einfach nicht mehr da sind.
  • VI. Park4Night — forget it. Nehmt euch die Zeit, die schönsten Plätze selbst zu suchen.
  • VII. Im Nachhinein empfehlenswert: über den Norden Bosniens statt über Serbien nach Montenegro fahren. Es ist landschaftlich sehr viel attraktiver.
Sächsische Schweiz Bratislava Budapest Nationalpark Durmitor Tara-Schlucht Piva Lake Kotor Dubrovnik Peljesac

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